Bild Shlomo Graber
09. Apr 2018

"Mit Peitschenhieben vorangetrieben" – Ausschwitzüberlebender Shlomo Graber erzählt an der August-Renner-Realschule über Gefangenschaft

„Von nun an seid ihr keine Menschen mehr. Ihr seid Untermenschen. Ihr habt keine Namen, sondern Nummern. Namen gibt man nämlich nur Menschen.“

42649 – das war Shlomo Grabers Nummer im Konzentrationslager Auschwitz. Der 92-Jährige referierte als einer von nur noch wenig lebenden Zeitzeugen weltweit vor über 100 Zehntklässlern an der August-Renner-Realschule über die Gefangenschaft im KZ und erzeugte dabei eine fast schon gespenstische Stille im Saal.

„Die letzten, die die Konzentrationslager überlebt haben, werden bald verstummen“, erklärte Geschichtslehrer Christian Steidle den Schülern in seinen Eröffnungsworten. Einer von den Überlebenden ist Graber, der die Schüler in packender Art und Weise über die „Grausamkeiten und Qualen“ als KZ-Häftling informierte. Er ließ sie dabei teilhaben vom ersten bis zum letzten Tag seiner Gefangenschaft in Auschwitz und Görlitz. Von dem Moment, als er zum letzten Mal seine Mutter, Geschwister und Verwandte gesehen hat, bis hin, als er und die weiteren Gefangenen von der Roten Armee befreit wurden.

„Bei der Ankunft im Konzentrationslager herrschte absolutes Chaos. Sie haben uns mit Peitschenhieben wie die Tiere vorangetrieben und dann in verschiedene Gruppen selektiert. Das war das letzte Mal, dass ich meine Mutter und meinen Bruder gesehen habe“, schildert Graber. Nur sein Vater, der ebenfalls überlebte, war noch an seiner Seite. Graber zeigte in seinem Vortrag auf, „zu welch grausamen Taten diese Sadisten fähig waren“: Das Abrasieren der Haare für die „Läusestraße“, der Zwang, sich entkleiden zu müssen, sein Hab und Gut abzugeben, die Vergabe der Nummern – das war nur der Anfang.    

Beeindruckt zeigten sich die Schüler, als Graber von seinen Todesängsten erzählte, die er in den Konzentrationslagern erfahren hat. Dreimal entkam er knapp dem Tod, erzählte Graber. Zunächst wurde er bei Gießarbeiten in einen Betonkübel gesteckt, dann wog er bei einer Selektion weniger als 30 Kilogramm und zuletzt überlebte er den Görlitzer Todesmarsch, bei dem von 1500 Häftlingen nur 500 durchkamen. „Ich habe immer Glück gehabt. Auch, dass mein Vater immer an meiner Seite war, hat viel geholfen. Wir haben uns oft das Leben gegenseitig gerettet.“ Am meisten hätten die Gefangenen aber immer an Hunger gelitten, wie Graber schilderte.            
Nie vergessen wird er den 8. Mai 1945: den Tag der Befreiung. „Den ersten russischen Soldaten, den ich gesehen habe, habe ich in den Arm genommen und geküsst“, sagte Graber. Durch einen russischen Offizier hat er das erste Mal erfahren, was in all der Zeit geschehen ist. Damit war ihm klar, was seiner Mutter und seinem Bruder zugestoßen war.   

Heute lebt Graber, der drei Konzentrationslager überlebte, mit seiner Frau in Basel. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft ging er zusammen mit seinem Vater zunächst in seine Heimat nach Ungarn, bevor er 40 Jahre lang in Israel gelebt hat. In den Jahren nach der Befreiung war ihm vor allem eins wichtig: Das nachholen, was er während „der schwersten Zeit des Lebens“ verpasst hat. Er studierte viel, lernte Sprachen und hatte dabei immer Freude, die angestrebten Ziele zu erreichen.

Bild Graber in Gruppe

Von links: Frau Graber, Herr Steidle, Herr Graber, Frau Brockmann

Text: Marius Merkel

Bilder: Marius Merkel, Christian Steidle

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